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E-commerce 6 Min. Lesezeit

GTIN und EAN erklärt: Die Produktkennzeichnung für den Marktplatz-Verkauf

Von Damian Liuras Aktualisiert am
Viele durcheinanderliegende Karten mit aufgedruckten Ziffern unter den Texten „Marketplace Product Data“ und „GTIN und EAN“

Ohne eine gültige Produktnummer läuft auf den großen Marktplätzen kaum etwas: Amazon, Otto, Kaufland und Google Shopping verlangen für die meisten Artikel eine GTIN – wer sie falsch oder gar nicht angibt, riskiert, dass sein Angebot abgelehnt oder nicht ausgespielt wird. Dabei sorgen die Begriffe rund um EAN, GTIN und Barcode regelmäßig für Verwirrung, obwohl dahinter ein recht einfaches System steckt.

Dieser Beitrag erklärt, was eine EAN- und eine GTIN-Nummer sind, wie sie zusammenhängen, worin sie sich von SKU und ASIN unterscheiden, woher man sie bekommt – und wie die Nummern sauber in die Produktdaten und von dort auf alle Verkaufskanäle gelangen.

Was ist eine EAN-Nummer?

Die EAN (European Article Number) ist die klassische, 13-stellige Produktnummer, die praktisch jedes Handelsprodukt in Europa trägt. Sie identifiziert einen Artikel weltweit eindeutig – zwei unterschiedliche Produkte haben nie dieselbe Nummer. Aus ihr wird der Strichcode gebildet, den die Kasse im Laden und die Systeme im Onlinehandel scannen.

Wichtig zu wissen: Der Begriff „EAN” ist streng genommen veraltet. Die Organisation hinter dem Standard hat die EAN bereits 2009 offiziell in GTIN umbenannt. Im Sprachgebrauch – und in vielen Shop- und Marktplatz-Formularen – hält sich „EAN” aber bis heute. Gemeint ist in aller Regel dasselbe.

Was ist eine GTIN?

Die GTIN (Global Trade Item Number) ist der internationale Oberbegriff für diese Produktnummern. Sie ist keine andere Nummer als die EAN, sondern der übergeordnete, weltweit gültige Standard von GS1, unter dem verschiedene Formate zusammengefasst sind:

  • GTIN-13 – die 13-stellige Variante, identisch mit der früheren EAN-13; Standard in Europa.
  • GTIN-8 – eine verkürzte 8-stellige Nummer für sehr kleine Verpackungen.
  • GTIN-12 – das 12-stellige US-Format (früher UPC).
  • GTIN-14 – für Umverpackungen und Gebinde, etwa einen Karton mit mehreren Einheiten.

Für den Verkauf in Deutschland ist in den allermeisten Fällen die GTIN-13 relevant. Wer also „EAN” hört und „GTIN” liest, kann beides meist gleichsetzen.

GTIN und EAN – wo ist der Unterschied?

Der Unterschied ist begrifflich, nicht praktisch: GTIN ist der Oberbegriff, EAN eine seiner Ausprägungen – konkret die europäische 13-stellige Form. Man kann es sich wie „Fahrzeug” und „PKW” vorstellen: Jede EAN ist eine GTIN, aber nicht jede GTIN ist eine EAN (eine 12-stellige US-Nummer ist ebenfalls eine GTIN, aber keine EAN).

Für den Alltag im Onlinehandel heißt das: Wenn ein Marktplatz nach der „EAN”, der „GTIN” oder schlicht der „Produkt-ID” fragt, ist in der Regel dieselbe 13-stellige Nummer gemeint. Diese Klarheit erspart viel Verwirrung beim Ausfüllen der Listing-Felder.

Wie hängen GTIN, EAN und Barcode zusammen?

Häufig werden Nummer und Barcode in einen Topf geworfen, dabei sind es zwei Dinge. Die GTIN ist die reine Zahlenfolge, die ein Produkt identifiziert. Der Barcode – der schwarz-weiße Strichcode – ist lediglich die maschinenlesbare Darstellung dieser Zahl. Der bekannte EAN-13-Strichcode verschlüsselt also nichts anderes als die 13-stellige GTIN, damit ein Scanner sie schnell erfassen kann.

Für den reinen Marktplatz-Verkauf zählt zunächst die Nummer selbst, die in den Produktdaten hinterlegt wird. Der gedruckte Barcode wird relevant, sobald Ware physisch durch Lager und Logistik läuft und dort gescannt werden soll.

Wo bekomme ich eine GTIN?

Offizielle, gültige GTINs werden von GS1 vergeben – der internationalen Organisation hinter dem Standard, in Deutschland GS1 Germany. Wer eigene Produkte kennzeichnen will, erwirbt dort eine GS1-Basisnummer (Unternehmensnummer) und bildet daraus eigenständig seine Produktnummern; für kleine Sortimente bietet GS1 kleinere Nummernpakete an, statt gleich einen großen Nummernkreis zu lizenzieren.

Zwei Fälle sind zu unterscheiden: Händler, die Produkte anderer Hersteller verkaufen, nutzen in der Regel die GTIN, die der Hersteller bereits vergeben hat – eine eigene ist dann nicht nötig. Wer dagegen eigene Marken oder Eigenprodukte vertreibt, braucht eigene GTINs von GS1. Wichtig dabei: Finger weg von „kostenlosen” oder aus zweiter Hand gekauften Nummern. Amazon prüft, ob die GTIN gültig und mit der richtigen Marke verknüpft ist; passt das nicht zusammen, wird das Angebot mit einer Fehlermeldung abgelehnt (GS1 Germany dokumentiert die typischen GTIN-Probleme bei Amazon).

Wo finde ich die GTIN an einem Produkt?

Bei bereits gekennzeichneter Ware steht die Nummer meist direkt unter dem Strichcode auf der Verpackung – als 13-stellige Ziffernfolge. Zusätzlich findet man sie oft auf dem Lieferschein, der Herstellerrechnung oder im Produktdatenblatt. Für Händler mit fremdbezogener Ware ist das der schnellste Weg, die passende GTIN zu übernehmen, statt sie neu zu beantragen.

GTIN, EAN, SKU und ASIN: die Kennungen sauber auseinanderhalten

Im Multichannel-Alltag trägt ein Artikel oft mehrere Nummern gleichzeitig – und sie werden regelmäßig verwechselt. Die Abgrenzung ist einfach: Die GTIN/EAN ist der globale Standard, der ein Produkt weltweit eindeutig macht. Die SKU ist Ihre händlerinterne Artikelnummer, die Sie selbst vergeben und die nur in Ihren Systemen gilt. Die ASIN ist die Amazon-eigene Kennung, die nur innerhalb des Amazon-Katalogs funktioniert. Kurz: SKU intern, ASIN Amazon-spezifisch, GTIN/EAN global – und genau diese globale Nummer verlangen die Marktplätze beim Listing.

Warum verlangen Marktplätze eine GTIN?

Für Marktplätze ist die GTIN das eindeutige Bindeglied zwischen einem Angebot und einem realen Produkt. Sie sorgt dafür, dass identische Artikel verschiedener Händler derselben Produktseite zugeordnet werden und dass Suchen, Vergleiche und Kataloge funktionieren. Deshalb ist eine gültige GTIN bei Amazon, Otto, Kaufland oder Google Shopping für die meisten Kategorien Pflicht.

Die Konsequenz einer fehlenden oder fehlerhaften Nummer ist unmittelbar: Das Listing wird abgelehnt, ausgeblendet oder gar nicht erst indexiert – das Produkt ist damit unsichtbar, egal wie gut Preis und Beschreibung sind. Gerade wer auf mehreren Marktplätzen gleichzeitig verkauft, merkt schnell, dass es nicht damit getan ist, eine GTIN zu besitzen. Sie muss auch bei jedem Kanal im richtigen Feld und Format ankommen – und genau da entstehen im Alltag die meisten Fehler.

GTINs zentral verwalten: von den Produktdaten auf alle Kanäle

Eine GTIN ist letztlich ein Datenfeld in den Produktstammdaten – und ihr Wert entfaltet sich erst, wenn sie zuverlässig überall dort landet, wo verkauft wird. Wer Nummern pro Marktplatz einzeln in Tabellen pflegt, verliert bei wachsendem Sortiment schnell den Überblick: Tippfehler, fehlende Felder oder falsche Formate führen reihenweise zu abgelehnten Angeboten.

Sauberer läuft es, wenn die GTIN einmal zentral in den Produktdaten hinterlegt und von dort automatisch an alle Kanäle ausgespielt wird – jeweils im Format, das der einzelne Marktplatz erwartet. Genau diese Rolle übernimmt ein Produktdaten- bzw. PIM-System: Es hält die Kennungen konsistent und gibt sie strukturiert an die Verkaufskanäle weiter. Wie professionelle Produktverwaltung dabei hilft, beschreibt unser Beitrag zum PIM-System; wie sich Produktdaten für bessere Marktplatz-Rankings aufbereiten lassen, zeigt der Guide zur Optimierung von Produktdaten für Amazon, Otto und Zalando.

Über den Produktmanager von Base laufen SKU, GTIN/EAN und die marktplatz-spezifischen Kennungen in einer Oberfläche zusammen und werden automatisiert an jeden angebundenen Kanal übergeben – damit kein Listing mehr an einer fehlenden oder falsch übermittelten GTIN scheitert.

Fazit

GTIN und EAN bezeichnen im Kern dasselbe: die eindeutige, meist 13-stellige Produktnummer, die den Handel weltweit organisiert – „GTIN” ist nur der modernere, internationale Oberbegriff. Für Händler ist sie kein bürokratisches Detail, sondern die Eintrittskarte in die Marktplätze: Ohne gültige, korrekt übermittelte GTIN bleibt das beste Produkt unsichtbar. Entscheidend ist deshalb nicht nur, die richtige Nummer zu haben, sondern sie zentral zu pflegen und fehlerfrei auf alle Kanäle zu bringen – dann wird aus einer Zahlenfolge ein verlässliches Fundament für den Multichannel-Verkauf.

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