Wachsende Onlinehändler kommen im Laufe ihrer Internationalisierung mit den Begriffen EORI und IOSS in Berührung. Beide sind für den grenzüberschreitenden Handel relevant und betreffen zoll- und steuerrechtliche Anforderungen. In der Praxis werden sie jedoch häufig erst berücksichtigt, wenn bereits operative Probleme auftreten. Eine verspätete Auseinandersetzung kann zu Verzögerungen in der Zollabwicklung, zurückgehaltenen Sendungen oder nachträglichen Forderungen seitens Online-Marktplätzen führen.
Dieser Artikel erklärt, was hinter der EORI Nummer und dem IOSS Verfahren steckt, ab welchem Reifegrad sie für wachsende Händler relevant werden und wie sie sich konkret auf Marktplätze, Bestellabwicklung und Cross-Border-Prozesse auswirken. Der Fokus liegt auf der operativen Praxis – nicht auf Antragsformularen oder Gesetzestexten.
Was ist eine EORI Nummer?
Die EORI Nummer (Economic Operators Registration and Identification) ist eine EU-weit gültige Kennung für Unternehmen, die Waren über die Außengrenzen der Europäischen Union bewegen. Sie dient den Zollbehörden zur eindeutigen Identifikation von Wirtschaftsbeteiligten – also allen, die gewerblich Import oder Export betreiben.
Für Händler, die ausschließlich innerhalb der EU verkaufen und versenden, spielt die EORI Nummer zunächst keine Rolle. Relevant wird sie in folgenden Szenarien:
- Import aus Drittländern: Wer Waren aus China, den USA oder anderen Nicht-EU-Staaten bezieht, benötigt eine EORI Nummer für die Zollanmeldung. Ohne sie ist keine Einfuhr möglich.
- Export in Drittländer: Auch beim Versand an Endkunden außerhalb der EU – etwa in die Schweiz oder nach Großbritannien – ist die EORI Nummer für die Ausfuhranmeldung erforderlich.
- Nutzung von Fulfillment-Centern außerhalb der EU: Wer beispielsweise Amazon FBA in UK nutzt, operiert im Drittlandsgebiet und braucht entsprechende Registrierungen.
Die EORI Nummer ist also keine optionale Formalität, sondern Voraussetzung für jede Zollanmeldung. Ohne sie werden Sendungen an der Grenze gestoppt – mit entsprechenden Verzögerungen und Kosten. Die Beantragung erfolgt in Deutschland beim Zoll und ist kostenlos.
Was ist IOSS?
IOSS steht für Import One Stop Shop und ist ein Verfahren zur vereinfachten Abwicklung der Umsatzsteuer bei Sendungen aus Drittländern an Privatpersonen in der Europäischen Union. Das Import One Stop Shop Verfahren wurde 2021 als Sonderregelung eingeführt und betrifft Waren mit einem Sachwert von maximal 150 Euro.
Ohne IOSS Nummer läuft das Verfahren so: Der Kunde bestellt, die Waren werden aus einem Drittland versendet, und bei der Einfuhr in die EU wird Einfuhrumsatzsteuer fällig. Der Kunde muss diese entweder selbst bezahlen oder der Versanddienstleister legt die Steuerbeträge aus und berechnet sie weiter – oft mit Zusatzgebühren. Das Ergebnis: verärgerte Privatpersonen, höhere Retourenquoten und Support-Aufwand.
Mit einer IOSS Nummer ändert sich der Ablauf grundlegend: Der Unternehmer erhebt die Mehrwertsteuer bereits beim Checkout, meldet sie zentral über das IOSS Portal und führt die Steuerbeträge ab. Die Sendungen passieren den Zoll ohne zusätzliche Zahlung für den Kunden. Dieses One Stop Shop Verfahren verbessert die Customer Experience erheblich und reduziert Reibungsverluste bei Fernverkäufen.
Wichtig: Das IOSS Verfahren gilt nur für B2C-Sendungen mit einem Sachwert unter 150 Euro. Für höherwertige Waren oder B2B-Umsätze gelten andere Regelungen. Die Registrierung erfolgt in Deutschland über das Bundeszentralamt für Steuern (BZSt).
Der Unterschied zwischen IOSS und OSS
Neben dem Import One Stop Shop IOSS existiert auch das OSS-Verfahren (One Stop Shop) für innergemeinschaftliche Fernverkäufe. Beide Sonderregelungen vereinfachen die Umsatzsteuerabwicklung, unterscheiden sich aber im Anwendungsbereich.
OSS (One Stop Shop): Gilt für Verkäufe von Waren innerhalb der EU an Privatpersonen in anderen EU-Mitgliedstaaten. Unternehmer melden ihre Umsätze zentral über ein Portal und führen die Steuern an die zuständige Steuerbehörde ab. Die Teilnahme am OSS-Verfahren erspart die Registrierung in jedem einzelnen Land.
IOSS (Import One Stop Shop): Gilt für den Import von Waren aus Drittländern mit einem Sachwert bis 150 Euro an Privatpersonen in der EU. Das IOSS Verfahren ermöglicht die zentrale Meldung und Zahlung der Einfuhrumsatzsteuer.
Für Onlinehändler, die sowohl innerhalb der EU als auch aus Drittländern an EU-Kunden versenden, können beide Verfahren relevant sein. Die Anmeldung erfolgt jeweils separat – OSS und IOSS sind eigenständige Sonderregelungen mit unterschiedlichen Steuererklärungen.
Wann EORI und IOSS operativ relevant werden
Nicht jeder Unternehmer braucht sofort eine EORI oder IOSS Nummer. Die Relevanz hängt vom Geschäftsmodell und der Wachstumsphase ab. Die folgenden Schwellen markieren typische Wendepunkte.
Erste Importe aus Asien oder USA
Viele Händler starten mit Dropshipping oder kleinen Importchargen aus China. Solange die Mengen gering sind und Lieferanten die Zollabwicklung übernehmen, bleibt das Thema unsichtbar. Sobald jedoch eigene Container ankommen oder die Einfuhr von Waren regelmäßig wird, ist die EORI Nummer Voraussetzung. Wer hier nicht vorbereitet ist, erlebt beim ersten größeren Import eine unangenehme Überraschung.
Expansion in Nicht-EU-Märkte
Der Schritt in die Schweiz, nach Norwegen oder – seit dem Brexit – nach Großbritannien verändert die Anforderungen grundlegend. Plötzlich sind Ausfuhranmeldungen nötig, und die EORI Nummer wird bei jeder Sendung abgefragt. Für Unternehmen, die Cross-Border E-Commerce automatisieren wollen, ist die EORI Nummer eine Grundvoraussetzung für reibungslose Zollabwicklung.
Internationale Fulfillment-Strukturen
Wer Lagerbestände auf mehrere Länder verteilt – etwa über Amazon Pan-EU oder externe Fulfillment-Partner – muss wissen, welche steuerlichen und zollrechtlichen Verpflichtungen damit verbunden sind. Die Nutzung von UK-Lagern erfordert eine UK-EORI, die Belieferung von EU-Kunden aus Drittländern kann die Teilnahme am IOSS Verfahren sinnvoll machen. Je komplexer die Fulfillment-Strategie, desto wichtiger wird das Verständnis dieser Registrierungen.
Direktversand aus Drittländern an EU-Kunden
Unternehmer, die Waren direkt von Lieferanten in China an Privatpersonen in der EU versenden lassen, profitieren besonders vom Import One Stop Shop. Ohne IOSS Nummer trägt der Kunde die Einfuhrumsatzsteuer – oft verbunden mit Nachnahmegebühren des Paketdienstleisters. Das führt zu Kaufabbrüchen, Retouren und negativen Bewertungen. Mit der IOSS Sonderregelung wird das Verfahren transparent und kundenfreundlich.
Vorteile von IOSS für Onlinehändler und Kunden
Die Teilnahme am Import One Stop Shop IOSS bietet konkrete Vorteile für Unternehmen und Endkunden.
Für Unternehmer und Händler:
- Zentrale Meldung aller Fernverkäufe aus Drittländern über ein Portal
- Eine Steuererklärung statt Registrierung in jedem EU-Land
- Vereinfachte Zahlung der Steuerbeträge an das Bundeszentralamt für Steuern
- Schnellere Zollabwicklung durch elektronische Voranmeldung
- Weniger Retouren durch transparente Preisgestaltung
Für Privatpersonen:
- Keine überraschenden Steuern oder Gebühren bei Lieferung
- Schnellere Zustellung ohne Zollverzögerungen
- Transparenter Gesamtpreis bereits beim Checkout
- Keine Nachnahmegebühren der Paketdienstleister
Diese Vorteile machen das IOSS Verfahren besonders attraktiv für Unternehmen mit hohem Sendungsvolumen aus Drittländern. Die Registrierung beim Bundeszentralamt für Steuern ist unkompliziert – die eigentliche Herausforderung liegt in der Integration in bestehende Systeme.
EORI und IOSS auf Online-Marktplätzen
Die großen Online-Marktplätze haben eigene Anforderungen an EORI und IOSS – und setzen diese zunehmend durch.
Amazon: Für Verkäufe über Amazon EU-Marktplätze mit Fulfillment aus Drittländern verlangt Amazon eine gültige IOSS Nummer. Ohne sie übernimmt Amazon selbst die Umsatzsteuerabwicklung bei Fernverkäufen – allerdings zu eigenen Konditionen. Auch die EORI Nummer wird bei der Nutzung von FBA in UK oder für Pan-EU-Sendungen abgefragt.
eBay: eBay hat ähnliche Anforderungen implementiert. Für Sendungen aus Drittländern an EU-Käufer wird entweder die IOSS Identifikationsnummer des Verkäufers genutzt oder eBay wickelt die Steuern selbst ab. Die Hinterlegung der EORI Nummer ist für gewerbliche Verkäufer mit internationalem Versand Voraussetzung.
Otto, Kaufland & Co.: Auch deutsche Online-Marktplätze fordern bei internationalem Fulfillment zunehmend Nachweise über steuerliche Registrierungen. Die EORI Nummer dient dabei als Indikator für professionellen Handel mit Waren aus Drittländern.
Wer mehrere Online-Marktplätze über eine zentrale Plattform bedient, sollte EORI und IOSS Nummern in den Stammdaten hinterlegen. Der Base Marktplatz-Manager ermöglicht die Verwaltung aller Verkaufskanäle an einem Ort – inklusive der relevanten Identifikationsnummern für Zoll und Steuerbehörde.
Auswirkungen auf Bestellabwicklung und Versand
EORI und das IOSS Verfahren haben direkte Auswirkungen auf die tägliche Bestellabwicklung. Wer international Waren verkauft, muss diese Nummern in verschiedene Prozesse integrieren.
Zolldokumente und Versandetiketten
Bei Sendungen in oder aus Drittländern muss die EORI Nummer auf Zollanmeldungen und Handelsrechnungen erscheinen. Viele Versanddienstleister verlangen sie bereits bei der Etikettenerstellung. Ohne korrekte Anmeldung werden Sendungen nicht verarbeitet.
Checkout und Preisgestaltung
Bei Nutzung des Import One Stop Shop muss die Mehrwertsteuer bereits im Checkout ausgewiesen und erhoben werden. Das erfordert Anpassungen in der Shop-Konfiguration und eine korrekte Zuordnung der Steuersätze nach Zielland. Die Umsätze müssen später in der IOSS Steuererklärung gemeldet werden.
Sendungsverfolgung und Kundenservice
Sendungen mit IOSS-Abwicklung passieren den Zoll in der Regel schneller und ohne Nachforderungen. Das reduziert Kundenanfragen und verbessert die Lieferperformance. Wer seinen Versandprozess optimiert, sollte das IOSS Verfahren als festen Bestandteil der internationalen Logistik einplanen.
Retouren und Rückabwicklung
Bei Retouren aus Drittländern kann die Zollabwicklung komplex werden. Hier zeigt sich, ob die EORI-Registrierung korrekt hinterlegt ist und ob Prozesse für Re-Importe definiert sind.
Cross-Border-Prozesse automatisieren
Manuelle Pflege von EORI und IOSS Nummern in verschiedenen Systemen ist fehleranfällig und zeitaufwendig. Mit wachsendem Volumen an Fernverkäufen wird Automatisierung zur Notwendigkeit.
Zentrale Datenhaltung
EORI und IOSS Nummern sollten einmal zentral gepflegt und automatisch an alle relevanten Systeme übergeben werden – vom Shop über den Marktplatz bis zum Versanddienstleister. So wird sichergestellt, dass alle Dokumente und Verfahren die korrekten Angaben enthalten.
Regelbasierte Workflows
Moderne E-Commerce-Systeme können Bestellungen automatisch nach Zielland klassifizieren und die entsprechenden Zoll- und Steuerverfahren anstoßen. Eine Bestellung in die Schweiz triggert andere Workflows als Verkäufe innerhalb der EU. Die Workflow-Automatisierung von Base ermöglicht genau diese differenzierte Steuerung.
Integration mit Versanddienstleistern
Die EORI Nummer muss bei internationalen Sendungen automatisch an DHL, UPS, FedEx oder spezialisierte Zoll-Broker übermittelt werden. Wer mit mehreren Carriern arbeitet, braucht ein System, das diese Daten zuverlässig an jeden Dienstleister überträgt.
Steuer-Reporting
Das IOSS Verfahren erfordert monatliche Steuererklärungen über das zentrale Portal beim Bundeszentralamt für Steuern. Die Datengrundlage für diese Meldung muss aus der Bestellabwicklung kommen. Automatisierte Exporte und Schnittstellen reduzieren den manuellen Aufwand bei der Zahlung und Erklärung erheblich.
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Fazit: Rechtzeitig vorbereiten statt reagieren
EORI und IOSS Nummern sind keine bürokratischen Hürden, die Unternehmer endlos aufschieben können. Sie sind operative Voraussetzungen für internationalen E-Commerce – und werden umso wichtiger, je stärker ein Unternehmen wächst.
Die EORI Nummer betrifft jeden, der Waren über EU-Außengrenzen bewegt – sei es beim Import von Produkten oder beim Export an Endkunden. Das Import One Stop Shop Verfahren vereinfacht Fernverkäufe aus Drittländern an Privatpersonen in der EU und verbessert die Customer Experience messbar.
Wer frühzeitig die Weichen stellt, integriert diese Registrierungen nahtlos in Bestellabwicklung, Versand und Marktplatz-Anbindung. Wer wartet, bis die erste Sendung am Zoll festhängt, zahlt mit Verzögerungen, Zusatzkosten und unzufriedenen Kunden.
Der richtige Zeitpunkt für die Vorbereitung ist nicht der Tag des ersten Problems – sondern der Tag, an dem internationale Expansion zum strategischen Ziel wird.
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